Gezeitenkraftwerk
Ein Gezeitenkraftwerk nutzt den Wasserstandunterschied zwischen Ebbe und Flut und wandelt dabei den Drang des Wassers zur Steigen oder zu Singen in elektrische Energie um. Aufgebaut ist ein Gezeitenkraftwerk wie ein Staudamm, zumeist gelegen an einer Bucht oder einem Fjord. Das Prinzip ist relativ simpel, der Staudamm hindert das Wasser bei Flut in die Bucht hinein zu gelangen und bei absinkendem Wasserstand (Ebbe) aus der Bucht hinaus zu gelangen. Das Wasser kann sich nur durch eine kleine Röhre im Staudamm entweichen, in der befindet sich ein Rotor, der durch den Wasserdruck angetrieben wird. Das Kraftwerk nutzt also alle 6 Stunden die steigende Flut oder die sinkende Ebbe aus, zwar treten diese Ereignisse vorhersagbar auf, leider bieten Sie unter den meisten Voraussetzungen keinen kontinuierlichen Ertrag für die Energiegewinnung. Nur bei ausreichend großem Tidenhub und einem immensen Speicherbecken ist eine kontinuierliche Auslastung möglich, zwar gibt es solche Standorte, diese sind aber aufgrund der nicht vorhersagbaren ökologischen Einflüsse umstritten. Die Standorte für solche Art der Gezeitenkraftwerke sind auf der Erde stark begrenzt, da für eine ökonomische Nutzung ein Mindesttidenhub von 5m nötig ist, dass heißt die Wasserstanddifferenz zwischen Ebbe und Flut muss mindestens 5m betragen, um ein Kraftwerk wirtschaftlich betreiben zu können. Für Gezeitenkraftwerke gibt es etwa 100 geeignete Standorte auf dieser Welt, wovon aber nur 50% genügend Wasserkapazität besäßen, um wirtschaftlich Nutzbar zu sein, bzw. die Folgen für das vorherrschende Ökosystem oder den Küstenabschnitt so gravierend wären, dass ein Einsatz nachhaltige Probleme für Flora und Fauna so sowie den Küstenabschnitt nach sich ziehen würde.
Gezeitenkraftwerke sind nicht unumstritten, auch wenn Sie bei der Stromproduktion kein schädliches CO2 oder andere Treibhausgase erzeugen, greifen sie doch gravierend in das Ökosystem ein. So werden die Phasen der Gezeiten, auf welche sich die Bioorganismen innerhalb der Bucht / Fjord eingespielt haben, stark verschoben. Weiterhin ist eine ungehinderter Wanderung der Lebewesen nicht mehr möglich, diese müssen zum einen die Öffnung des Kraftwerkes finden und weiterhin auch zum richtigen Gezeitenzeitpunkt an der Öffnung ankommen, um durch die Strömung nicht verschwemmt zu werden.
Selbst aus technischer Sicht sind Gezeitenkraftwerke nicht die erste Wahl, da die Turbinen in einem ständigen Wechsel zwischen Wasser und Luft agieren und ständig mit Salzwasser in Berührung kommen, neigen die Rotorblätter zur verstärkten Korrosion, was eine höhere Wartungsintensität und damit steigende Kosten nach sich zieht . Neben der Stromerzeugung über den Tidenhub können Gezeitenkraftwerke auch als Pumpspeicherkraftwerke genutzt werden, dazu wird zu Zeiten mit hoher Stromproduktion im Netz, aber geringer Verbrauchlast mehr Wasser in das Becken gepumpt, als es die Flut ermöglichen würde, bei steigender Anzahl der Verbraucher im Stromnetz würde das gespeicherte Wasser dann wieder über die Turbinen abgelassen.
Das derzeit größte Gezeitenkraftwerk wurde in Frankreich erbaut und besitzt bei einem Buchtvolumen von 184.000.000 m³ eine Nennleistung von 240MW verteilt auf 24 Turbinen innerhalb des 750m langen Staudamms. In naher Zukunft sollen weitere Megakraftwerke mit weitaus größeren Leistungen erbaut werden, so ist ein Großprojekt in Groß Britannien geplant, welches den Bristolkanal sperren soll und über den Tidenhub eine Leistung von 8500MW erzeugt.






