Güllebelüftung

Bei der Verwertung von Gülle zur Biogasproduktion und ggf. zur Nutzung des Güllebonus nach dem deutschen Erneuerbare Energien Gesetz ist der Anlagenbetreiber auf eine kontinuierliche Zuführung von Güllesubstrat angewiesen. In der Regel werden dazu Güllelagerstätten in Form von Güllewannen errichtet, in denen die Gülle kurz- oder langfristig aufbewahrt oder zwischengelagert wird. Sofern die Gülle über einen längeren Zeitraum in der Lagerwanne verbleiben muss, ist es erforderlich, diese durch geeignete Belüftungsanlagen vor einer vorzeitigen Fermentation zu bewahren und die Geruchsbelästig, sowie eine Anreicherung mit Schadstoffen zu vermeiden.

Gerade von offenen Güllespeichern geht eine hohe, potenzielle Gefahr aus, sind diese nicht gegen unbefugten Zutritt abgesichert, können auch Tiere und Kinder versehentlich in einen Gülleunfall verwickelt werden.
Quelle: wikipedi.org, © Volker Detering

Quelle: wikipedi.org, © Volker Detering

Mittels der Einbringung von Sauerstoff wird eine vorzeitige Vergärung des Substrates gehemmt, ebenso verringert sich der unangenehme Geruch von Gülle, indem der enthaltene Schwefel, welcher für diesen verantwortlich ist, durch die eingebrachte Luft ausgesondert wird. Weiterhin sorgt die Unterstützung der anaeroben Bakterien die Zersetzung von größeren organischen Verbindungen, welche sich in Ihre Bestandteile aufteilen.

Die Sauerstoffzirkulation wird durch Pumpen unterstützt, mit denen für eine ausreichende Durchlüftung sorgen wird, dabei muss deren Dimensionierung so gewählt werden, dass hinreichend Luft gleichmäßig im Güllebehältnis vorhanden ist, ggf. kann die Verteilung durch integrierte Rührwerke unterstützt werden, um die Gülle gleichmäßig permanent mit Luft zu durchsetzen. Eine Unterversorgung mit Sauerstoff würde zur Stockung oder sogar zum Abbruch des Abbauprozesses durch die Bakterien führen. Zusätzlich sorgen das Rührwerk und die eingebrachte Luft dafür, dass die Gülle in ihrem flüssigen Zustand bestehen bleibt und sich nicht zu Klumpen oder einer stehenden, festen Verbindung zusetzt.

Größere Güllelager werden zumeist offen, ohne eine Bedachung betrieben, gerade um einen hinreichenden Abtransport der entstehenden Gase zu unterstützen, daher bergen schlecht gesicherte Anlagen ein hohes Unfallrisiko für Mensch und Tiere. Die meisten Gülleunfälle verlaufen für die Betroffenen tödlich oder zumindest mit schweren Vergiftungen, zudem sich in der Gülle hohe Konzentrationen an Schwefelwasserstoff, bekannt als Blut- und Nervengift, Ammoniak und Kohlenstoffdioxid befinden. Die Durchlüftung sorgt zwar für einen hohen Abbau dieser Schadstoffe, ist aber nicht ausreichend, um das Schadstoffniveau auf ein ungefährliches Level zu senken. Weiterhin birgt die Lagerung von Flüssiggülle eine erhöhte Explosionsgefahr, durch den nicht unerheblich hohen Abbau von Methan und Methanverbindungen, die in Verbindung mit Luftsauerstoff sich zu einem gefährlichen Gas-Luftgemisch mit leichter Entzündungswahrscheinlichkeit verbinden können.